{"id":6700,"date":"2024-08-07T10:08:30","date_gmt":"2024-08-07T10:08:30","guid":{"rendered":"https:\/\/wanderschule.world\/conversation-with-reto-ingold\/"},"modified":"2024-08-07T11:55:05","modified_gmt":"2024-08-07T11:55:05","slug":"im-gesprach-mit-reto-ingold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wanderschule.world\/de\/im-gesprach-mit-reto-ingold\/","title":{"rendered":"Anneka Lohn im Gespr\u00e4ch mit Reto Ingold (Jahresbeicht der Evidenzstiftung 2023)"},"content":{"rendered":"<h2><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6689 size-full\" src=\"http:\/\/wanderschule.world\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Reto_600.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"601\" srcset=\"https:\/\/wanderschule.world\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Reto_600.png 600w, https:\/\/wanderschule.world\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Reto_600-300x300.png 300w, https:\/\/wanderschule.world\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Reto_600-150x150.png 150w, https:\/\/wanderschule.world\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Reto_600-80x80.png 80w, https:\/\/wanderschule.world\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Reto_600-560x560.png 560w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/h2>\n<h2>Anneka Lohn im Gespr\u00e4ch mit Reto Ingold u\u0308ber die Freie Internationale Wanderschule fu\u0308r Biodynamische Agrar-Kultur<br \/>\n<em>Wanderschule<\/em><\/h2>\n<p><em><strong>Anneka Lohn<\/strong><\/em> <em>Vor einigen Jahren waren wir, zusammen mit Rolf Kerler, in Tunesien auf der Dattelfarm von Karl Keller. Da habe ich dich mit deinem Anliegen fu\u0308r die Landwirtschaft kennengelernt. Sp\u00e4ter haben wir uns auf dem gleichen Kontinent, in Sekem, wieder gesehen. Jetzt geht es nicht um Afrika sondern um Osteuropa: Ihr habt eine \u203aWanderschule\u2039 ins Leben gerufen. Was ist das genau?<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Reto Ingold<\/strong><\/em> Die \u203aWanderschule\u2039 ist ein Konsortium von Berater*innen fu\u0308r die biologisch-dynamische Landwirtschaft. Wir waren viele Jahre als Einzelmenschen unterwegs und kamen an Grenzen. Man denkt mit, begeistert, regt an, h\u00f6rt zu, aber nach einiger Zeit flaut das vor Ort ab. Es fu\u0308hrte nicht zu dem erhofften Follow Up. Wir wollen anders arbeiten, Trainings offerieren und Kontakte erm\u00f6glichen, die auch lokale Kr\u00e4fte einbinden und f\u00f6rdern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Wenn du sagst \u203awir\u2039, wen beziehst du da mit ein?<\/em><br \/>\nMomentan sind das Georg Meissner, Hans Supenk\u00e4mper, Ralf Kunert, Herbert V\u00f6lkle, Eva Gehr, Stefan Illi, alles Menschen, die schon viele Jahre mit der Beratung und Ausbildung unterwegs sind. Wir wollen gerne einen fokussierten Ansatz ausprobieren. Wir haben bemerkt, das es viele qualifizierte Berater*innen gibt, aber wo sind sie, wie arbeiten sie zusammen, wie lernen sie voneinander? Pl\u00f6tzlich hat es bei und klick gemacht. Wir mu\u0308ssen schauen, dass wenn wir alte Hasen angefragt werden, Ju\u0308ngere mitkommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Wie sind die ersten Erfahrungen?<\/em><br \/>\nEs ist besonders in Osteuropa gelungen, lokale Kr\u00e4fte zu begeistern, mitzumachen und mitzudenken. Sie sind vor Ort sehr motiviert. Wir haben gleich Institutionen gefunden, die mit unterstu\u0308tzen, es resoniert hervorragend. Gleichzeitig suchen wir fu\u0308r die Kosten Unterstu\u0308tzung, weil wir nicht wollen, dass die Finanzierung g\u00e4nzlich in Osteuropa h\u00e4ngen bleibt, sondern, dass wir etwas initiieren und schenken damit die Menschen zusammenkommen k\u00f6nnen, das es losgehen kann.<\/p>\n<p><em>Wie ist die Situation der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Osteuropa? Gewinnt sie an Boden?<\/em><br \/>\nWenn man die Statistiken anschaut, sieht man, dass einige biodynamische Projekte auftauchen. Griechenland hat immerhin 40 Betriebe, Ungarn hat 12. Sie sind aber in der Struktur ganz unterschiedlich. Tausende von Hektar auf den 12 Betrieben in Ungarn und Kleinbetriebe in Griechenland \u2013 auf ganz kleiner Fl\u00e4che. Die Landwirtschaft ist sehr unterschiedlich und es braucht angepasste Ans\u00e4tze. Das konnte bisher niemand liefern, diese differenzierte Beratung.<\/p>\n<p><em>Was hei\u00dft Beratung heute?<\/em><br \/>\nMeist wird daunter der Wissenstransfer oder die zur Verfu\u0308gungsstellung von Managementkapazit\u00e4ten verstanden. In der Wanderschule gehen wir von einem andern Beratungsverst\u00e4ndnis aus. Wir arbeiten fu\u0308r ein \u203aEmpowerment\u2039-Konzept: Aus irgendwelchen sozialen, sprachlichen, kulturellen, finanziellen oder geografischen Gru\u0308nden gibt es in der biologisch-dynamischen Bewegung Interessierte, welche einen schwierigen Zugang haben. Wir versuchen mit Beratung Wege zu erschlie\u00dfen um diese Nachteile zu beseitigen. Unsere Erfahrung ist, dass sich die bio-dynamische Landwirtschaftsmethode unter verschiedensten Bedingungen eignet und anpassungsf\u00e4hig genug ist, dass sie u\u0308berall von Menschen auf der Suche nach einer nachhaltigeren und sozialeren L\u00f6sungen fu\u0308r die Zukunft der Landwirtschaft eingesetzt werden kann. Wir versuchen mit Beratung die fehlenden Elemente fu\u0308r einen erfolgreichen, selbst\u00e4ndigen Einsatz der Methode beizusteuern. Schon w\u00e4hrend der Beratung entsteht ein interaktiven Prozess, welcher auch fu\u0308r die bestehende Bewegung ein Gewinn ist. Unsere Beratung ist deshalb auch eine Einladung zum Austausch auf Augenh\u00f6he zugunsten der Entwicklung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Wir versuchen diesen Austausch gezielt zu f\u00f6rdern und die Erkenntnisse verfu\u0308gbar zu machen.<\/p>\n<p><em>Was ist fu\u0308r die bio-dynamische Landwirtschaft in Zukunft wesentlich?<\/em><br \/>\nWir sind immer noch eine sehr kleine Bewegung (ca 2% der Biobewegung weltweit), obwohl es uns gelungen ist, einen gro\u00dfen Anteil an den \u00f6ffentlichen Diskussionen um die Zukunft der Landwirtschaft zu bestreiten. Wir mu\u0308ssen mutig darauf vertrauen, dass die bio-dynamische Methode sich durch das Tun ver\u00e4ndert und essentiell bleibt. Ich glaube, dass ist, was Rudolf Steiner wollte, dass man die Impulse, die er geben konnte, anwendet und daraus Erkenntnisse fu\u0308r die n\u00e4chsten Schritte gewinnt. Zumindest hat sich das bisher bew\u00e4hrt. Daraus ist zu verstehen, warum die Wanderschule die Beratung fu\u0308r die Entwicklung der praktischen Betriebe so wichtig findet. Die erfolgreichen Betriebe sind die Leuchttu\u0308rme fu\u0308r die Reform der ganzen Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Es geht nur, wenn wir nicht schnell schnell irgendeine Einzelberatung hinschicken, sondern uns ein Netzwerk aufbauen, welches u\u0308ber aktuelle Informationen verfu\u0308gt und die Menschen selbst immer wieder motiviert und Gelegenheit gibt, einzelne F\u00e4lle zu supervisieren.<\/p>\n<p>Manchmal gelingt es, Bru\u0308cken zu andern Gebieten zu schlagen. Gesundheit, Ern\u00e4hrung, Soziales liefern immer wieder wesentliche Bausteine fu\u0308r die Weiterentwicklung (z.B. ku\u0308rzlich das neue Verst\u00e4ndnis des gesunden Bodens und des Mikrobioms der Menschen). Wir k\u00f6nnen nicht alles in der Landwirtschaft leisten. Wir mu\u0308ssen deshalb fu\u0308r alle verst\u00e4ndlich sein und uns mit andern guten Kr\u00e4ften zusammentun. Auf die Gefahr hin, dass wir dadurch nicht mehr die unangefochtenen Pioniere bleiben. Wenn man mit Berater*innen zusammenarbeitet, entsteht viel. Was man danach aus eigener Kraft entwickelt, kann sehr anders sein.<\/p>\n<p><em>Wie wu\u0308rdest du dieses Verh\u00e4ltnis einsch\u00e4tzen \u2013 Beratung vs. Handhabungs- und Entwicklungsm\u00f6glichkeit?<\/em><br \/>\nIm Gegensatz zur Zertifizierung, die produktorientiert ist und darauf abzielt, sich am Markt zu behaupten, ist Beratung auch immer auf die Entwicklung der Projekte und Menschen bezogen. Das hat uns bei der Wanderschule wirklich interessiert. Bevor wir einzelne Projekte bearbeiteten, fragen wir uns immer: Was steht dahinter, wie k\u00f6nnen wir uns schulen, wie kann man u\u0308berhaupt in die \u00f6rtliche Sprache u\u0308bersetzen? Es gibt in Osteuropa so viele verschiedene Sprachen und Kulturen. Wir wollen den jeweiligen Ort st\u00e4rken, so dass es sich dort weiter entwickeln kann. Dieser Ansatz ist sehr fruchtbar. Fu\u0308r alle Unterstu\u0308tzer war klar, es braucht einen Ansatz in diese Richtung. Jetzt kann man erste Ergebnisse sehen. Ein kleines Highlight war die Klausur der kleineren Organisationen von Osteuropa, die die Stiftung Evidenz unterstu\u0308tzt hat. Wir haben sie angeku\u0308ndigt und gesagt, dass wir einen kleinen Reisebeitrag zahlen k\u00f6nnen. Nach drei Tagen waren alle an Bord. Alle haben gesagt, wir brauchen einen Ort, wo wir uns austauschen, wo wir uns spiegeln und helfen k\u00f6nnen. Auch die alten Organisationen wollten dabei sein, denn ausserhalb von Deutschland biologisch-dynamisch zu wirtschaften, ist nicht einfach.<\/p>\n<p>Ich bin seit Jahren in Kontakt mit vielen kleinen Organisationen, Zeitschriften, Infobl\u00e4tter usw. Alle haben Mu\u0308he sich zu finanzieren, alle arbeiten sozusagen ehrenamtlich. Der \u00dcbergang zur n\u00e4chsten Generation ist nicht gesichert. Das ist eine spannende Frage, nicht nur in der Landwirtschaft! Da konnten wir durch die Wanderschule Tu\u0308ren \u00f6ffnen. Fru\u0308her hatten wir auch schon Kooperationen mit jungen Agronomen, die interessiert waren in diese Richtung zu gehen. Aber jetzt war es eine ganz andere Stimmung: Wie k\u00f6nnen wir neue Schritte gehen, wo k\u00f6nnte das in Zukunft hinfu\u0308hren? Ich habe auch gemerkt, dass wir eine bestimmte Rolle in der Wanderschule haben. Einerseits weil wir viel Erfahrung haben, also alte Berater*innen sind, aber andererseits weil unser Verh\u00e4ltnis zur Bewegung loyal, vermittelnd und offen ist, ohne die bekannten Gr\u00e4ben oder Geldsorgen mit Streitereien und Konkurrenz. Das h\u00f6rt sich nach eine fundierten Bewegung an, die hoffentlich oder m\u00f6glicherweise den Shift in die Zukunft mit der ju\u0308ngeren Generation fu\u0308r eine gesunde Landwirtschaft schafft! Ja, das ist uns wichtig. Wir haben das nicht \u203aerfunden\u2039, wir haben gespu\u0308rt, dass wir ernst machen und den Modus wechseln sollten. Wenn sich in Ostungarn jemand fu\u0308r bio-dynamische Landwirtschaft interessiert, sollten Zug\u00e4nge und M\u00f6glichkeiten auch beispielsweise in Ungarisch zug\u00e4nglich sein. Das geht nur, wenn wir in Kontakt bleiben, ein Netzwerk bilden und nicht schnell schnell irgendeine Einzelberatung hinschicken, sondern uns ein Netzwerk aufbauen, welches u\u0308ber aktuelle Informationen verfu\u0308gt und die Menschen selbst immer wieder motiviert und Gelegenheit gibt, einzelne F\u00e4lle zu supervisieren. Wenn jeder findet er sei der Beste und Bio-dynamisches sei das einzig Wahre, dann entstehen K\u00e4mpfe, die nichts bringen.<\/p>\n<p><em><strong>Anneka Lohn:<\/strong><\/em> <em>Vielen Dank, Reto, fu\u0308r den Austausch u\u0308ber Euer Projekt!<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Reto Ingold: <\/strong><\/em>Ich m\u00f6chte mich bedanken, dass ihr ohne gro\u00dfen Aufwand mit eingestiegen seid und den Versuch gewagt habt, das hat uns sehr gefreut! Das Geld ist wirklich gut eingesetzt!<\/p>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/240422_evidenz_jb_23_Reto.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF zum Download<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anneka Lohn im Gespr\u00e4ch mit Reto Ingold u\u0308ber die Freie Internationale Wanderschule fu\u0308r Biodynamische Agrar-Kultur Wanderschule Anneka Lohn Vor einigen Jahren waren wir, zusammen mit Rolf Kerler, in Tunesien auf der Dattelfarm von Karl Keller. Da habe ich dich mit deinem Anliegen fu\u0308r die Landwirtschaft kennengelernt. 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